
Saisonrückblick Nordisch 2021/2022
Die Nordischen SASler blicken auf eine aufregende und erfolgreiche Saison zurück. Erfolgreich heisst dabei für mich sowohl Qualität als auch Quantität: 12 Weltcupeinsätze (durch Lea Fischer und Aita Kaufmann), Siege im Europacup (Lea Fischer), Medaillen an der Ski-OL Studenten WM (durch Nicola Müller) oder eine Paralympics Qualifikation (Luca Tavasci) sprechen für das hohe Niveau aber auch die Diversität im SAS Team; gleichzeitig erreicht der Athletenbestand einen Höchststand - schweizweit sind nur noch die Kader des Bündner Skiverbands und des Zentralschweizer Skiverbands grösser.

Das Nordische SAS Team nach der abschliessenden Staffel an den Schweizermeisterschaften auf dem Sparenmoos ob Zweisimmen

Das SAS Pro Team während dem Trainingslager in Prad am Stilfserjoch im Juli 2021
Aber alles der Reihe nach. Der Telefonanruf, den ich am 29. November erhielt, liess nichts Gutes für die Saison erahnen: die Universiade 2021 war abgesagt, langjährige Anstrengungen, Planungen und Förderungen verpufften wenige Tage vor dem Grossanlass. Würde sich das Pandemie-Chaos wieder durch die Saison ziehen? Rückblickend verlief nach der anfänglichen Hiobsbotschaft glücklicherweise alles wie am Schnürchen. An den ersten Wettkämpfen, einem Europacup im Goms anfangs Dezember, waren sehr erfolgreich: sowohl Lea Fischer als auch Aita Kaufmann qualifizierten sich für den Weltcup der darauffolgenden Woche in Davos. Ebenfalls im Schweizer Team vertreten war Maria Christen, welche sich im Sommer mit dem SAS Pro Team auf die Saison vorbereitet. Dieses eine Wochenende steht für mich illustrativ für die erfolgsbringende Strategie, welche vor etwa 6 Jahren implementiert wurde: einerseits bietet unsere zwei-Team Organisation mit dem SAS Pro Team die nötige Gruppendynamik und Trainingsumgebung, welche es für eine optimale Sommervorbereitung braucht. Davon profitieren einerseits SASler, aber auch externe Athleten, die mit uns mittrainieren – eine win-win Situation, nicht nur der Studentensport, sondern auch der Langlaufsport generell wird gefördert. Der zweite wichtige Faktor ist meines Erachtens das von der SAS Stiftung unterstützte Serviceteam: zwei Servicemänner erlauben es uns, den Athleten Material auf professionellem Niveau zu bieten. Dieses Jahr haben Pierre und Loic sogar einen mini-Van in einen mobilen Wachs- und Serviceraum umgebaut: Motivation und Einsatz, welche seinesgleichen sucht.

Passionierte Servicemänner im Einsatz für den SAS: Loic und Pierre in ihrem umgebauten Van, den sie gleichzeitig als Arbeitsplatz brauchen können
Ich will nicht auf jedes Rennen im Detail eingehen. Wie in der Einleitung erläutert, verdienen aber gewisse Athleten eine Erwähnung.
- Lea Fischer konnte weiterhin überzeugen: 11 Weltcupeinsätze sowie 2 Europacupsiege deuten auf eine konstante Verbesserung hin. Leider verpasste Lea knapp eine Olympiaqualifikation. Nichtsdestotrotz vertraut auch Swiss-Ski weiterhin auf ihre Fähigkeiten: sie wurde wieder in den A-Kader selektioniert.
- Aita Kaufmann zeigt, dass auch neben einem Medizinstudium erstaunliche Leistungen möglich sind: eine Weltcupqualifikation war der Lohn für ihren Einsatz und tröstete wenigstens etwas über die nicht durchgeführte Universiade hinweg, an der Aita am Start gewesen wäre.
- Luca Tavasci fokussierte seine Vorbereitung dieses Jahr auf sein Hauptziel, die Paralympischen Winterspiele in Peking. Viel Reiserei war damit verbunden: es warteten Rennen in Kanada, Finnland, Schweden und Norwegen, die Teil der Qualifikation waren. Es klappte, und Luca repräsentierte die Schweiz in China, mit einem Bestresultat als 11. in der klassischen Langdistanz
- Wo es nicht nur Beine, sondern auch Köpfchen braucht, sind SASler natürlich im Vorteil – so kommt es, dass Nicola Müller weltweit einer der Besten Ski-Orientierungsläufer ist. Nachdem eine Corona-Infektion seine EM-Plänen kurzfristig platzen liessen, gewann er zwei Medaillen an den Studenten-Weltmeisterschaften im Ski-OL.

Lea Fischer – immer mit vollem Einsatz. Hier beim Weltcup in Davos (Bild: Nordic Focus)

Aita Kaufmann beim Europacup im Goms (Bild: Loris Kaufmann)

Luca Tavasci im Einsatz in Peking (Bild: Goran Basic)

Nicola Müller auf seinem Weg zu Gold an den Studenten-Weltmeisterschaften im Ski-OL (Bild: Tomas Bubela (WUSOC 2022)
Viele weitere Athleten könnten mit interessanten Geschichten erwähnt werden, wie zum Beispiel Sophia Velicer, welche für ihr Mutterland Taiwan ebenfalls eine zukünftige Olympiateilnahme anstrebt, oder Arnaud Du Pasquier, welcher im Langdistanz-Weltcup immer näher an die Spitze kommt – hier fehlt mir dafür leider der Platz. Die Redaktion der SAS News und des SAS Newsletters darf sich aber freuen, in Zukunft noch viele Artikel über spannende Geschichten publizieren zu dürfen.
Schlussendlich möchte ich noch ein Wort über die kurz erwähnte «Quantität» verlieren. Mit 36 aktiven Athleten war der SAS dieses Jahr an vielen FIS-Rennen drittstärkste Kraft in der Schweizer Langlaufszene bzw. im Vergleich mit anderen Regionalkadern. Zudem wurden über 70 betreute Tage im Sommer und Winter angeboten, mit Trainingslagern und Wettkämpfen in der Schweiz und im europäischen Ausland. Dies spricht für unsere Stimmung im Team und dafür, dass die Unterstützung durch die verschiedenen SAS Strukturen (Stiftung, Technische Kommission, ZV, Sektionen) funktioniert und auch geschätzt wird. Es stellt sich aber auch die Frage, wo im Bezug auf die Athletenanzahl die Grenze liegt: wie vielen Athleten können wir eine Betreuung bieten, welche nicht an Qualität einbüsst. Dies vor allem, da die Organisation und die Betreuung vor Ort in Trainingslagern oder an den Rennen fast ausschliesslich auf dem Einsatz freiwilliger Mitglieder basiert – trotzdem stehen wir im Vergleich mit Regionalkadern, welche auf Trainer und Betreuer zurückreifen, welche 100% ihrer Zeit einsetzen. Dies sind Fragen, mit welchen ich mich vor allem im Hinblick auf die Abgabe meines Amtes im nächsten Frühling beschäftige. Ich möchte sicherstellen, dass das Nordische Team noch viele Jahre motivierte und erfolgreiche Athleten und Athletinnen hervorbringen kann.
Zum Ende möchte ich mich herzlich für die Unterstützung durch die Sponsoren, die Stiftung, den ZV, die TK, die Sektionen sowie all jenen SASlerinnen und SASler bedanken, welche sich dort mit viel Herzblut einsetzen.
Philippe Nicollier, Chef Nordisch SAS
