Auf Skitour zwischen Himmel und Erde

Am May 3, 2022 veröffentlicht

Als Vorbereitung auf das Norge-Suisse in Narvik hat sich eine Gruppe von begeisterten Alpinisten und eine wilde Camping-Fraktion für eine neuntägige Skitourenreise im hohen Norden von Norwegen aufgemacht. Tiefblaue Fjorde, schneebedeckte Gipfel gepaart mit bunten Fischerhäusern und die bilderbuchhafte Kulisse lassen jedem Skifahrer das Herz höherschlagen.

Die Tourengruppe wurde am Flughafen Evenes nahe Narvik von der Camping Fraktion fulminant mit einer grossen SAS Flagge willkommen geheissen. Die sieben Camper mit jungen Topfahrern vom SAS Zürich und SAS Bern sind bereits zwei Wochen früher losgezogen und sind pünktlich am 68. Breitenkreis eingetroffen – was für ein Empfang im hohen Norden! Die rund 28-köpfige Gruppe unter der Leitung von Ruedi Kellerhals von Kobler und Partner, Dres Schild und dem Aspiranten Adi Büschlen aus Grindelwald hat sich mit einer beachtlichen Karavane nach Svolvaer aufgemacht, dem Hauptort der Inselgruppe. Inmitten von Fischkuttern und den zeltartigen Holzkonstruktionen für das Trocknen des Kabeljau-Fisches wurden die typischen Rorbuer bezogen und ein herrliches Renntierstue vertilgt nach der langen Anreise. 

Aufgrund des großartigen Wetters haben wir uns am ersten Tourentag auf einen der wohl schönsten Berge mit atemberaubender Aussicht gemacht (siehe Foto 1).

Der Varden bietet spektakuläre Fotosujets mit weissen Gipfel, die sehr steil und mächtig aus dem Meer ragen. Eine solche Szenerie auf Skiern zu erleben, beschreibt den einzigartigen Reiz der Lofoten. Am Abend durften wir das erste gemeinsame Essen an einer langen Tafel im gemütlichen Svinoya Rorbuer geniessen, ein Geheimtipp für Feinschmecker. Die schnell wechselnden Wetterverhältnisse sind typisch für die Lofoten, so musste das Programm kurzfristig angepasst werden. Mit der grossen Erfahrung unserer umsichtigen Bergführer sind wir am zweiten Tag auf den Store Kvitind gestiegen, da dies mit den Verhältnissen und dem Wetter die beste Option war. Die Gruppe hat sich wie eine grosse Entenfamilie in Reih und Glied den Berg hoch geschlängelt (siehe Foto 2), dies zur Freude von unserem Ehrenmitglied und Chef des SAS Alpinismus, Jürg Schweizer.

Nach der Tour durfte ein Saunagang mit einer Abkühlung im Meer nicht fehlen. Um die isotonischen Speicher zu füllen, als Vorbereitung für den nächsten Tourentag, traf man sich zuerst an der Bar für ein Lofotenpils. Anschliessend wurde Stockfisch, eine lokale Spezialität serviert. Kabeljau, Bacalao, Dorsch oder auch Cod genannt, ist die meistgefangene Fischart und zudem die Haupteinnahmequelle von Svolvaer. Stockfisch ist ein durch Lufttrocknung haltbar gemachter Fisch. Vor der Trocknung werden Kopf und Eingeweide entfernt und dann auf einem Trockengestell gelagert (siehe Foto 3).

Als nächster Tinden musste sich der Torksmannen der stark besetzten Alpinistengruppe beugen. Am vierten Tag unternahm die Karavane eine fantastische Autofahrt mit zahlreichen Fotostopps in Richtung Süden der Finnmark. Dieses Tourengebiet hat einen komplett anderen Charakter als jenes der Lofoten. Die Gipfel sind höher und nicht am Meer gelegen. Die Lodge Fjellkysten liegt in malerischer Umgebung des Lavangen-Fjord rund fünf Kilometer ausserhalb der Ortschaft Tennevoll. Auf dem 68. Breitengrad nördlich des Äquators ist es anfangs April auch um drei Uhr nachmittags immer noch schön kühl. So haben wir den besten Pulverschnee der ganzen Woche in den Birkenwäldern hinter der Lodge genossen. Dieser wurde nicht zu sehr vom Wind bearbeitet. Als Vorbereitung für die isotonische Bierrunde haben wir uns vorab noch mit Waffeln verköstigt. Diese werden mit Brunost, einem heimischen Braunkäse, und Marmelade angerichtet und schmecken herrlich nach einem intensiven Tag im Schnee. Um 23 Uhr haben wir sogar noch die Nordlichter gesehen - für Viele das erste Mal und deshalb um so spezieller (siehe Foto 4).

Spanstinden, der höchste Tinden der Region mit rund 1400 Metern über Meer, bietet eine herrliche Kulisse und einen ersten Blick auf Narvik, dem Austragungsort der Norge Suisse Sport- und Festspiele. Gianni Hehli hat die Gunst der Stunde genutzt und die Tourengruppe auf dem Gipfel samt SAS Flagge verewigt (siehe Foto 5).

Beim Blick aus der Sauna wurde das morgige Ausflugsziel von Ruedi bestimmt. Der zu Füssen der Lodge liegende Rundkollen ist tatsächlich ein runder Knollen, was typisch für die Finnmark ist. Sobald man die Baumgrenze erreicht hat, wird oft viel Strecke mit wenigen Höhenmetern zurückgelegt, bis am Ende der höchste Punkt erreicht ist. Bei viel Wind und wenig Sicht war das eher ein Kampf als ein grosses Vergnügen und die eine oder andere Nase ist doch etwas weiss angelaufen. Eine Motocrossabfahrt durch Gestrüpp und Wiesenabschnitte bis ganz hinunter ans Meer war der abenteuerliche Abschluss einer unglaublichen Reise. Mit einer schönen Dankesrede von Jürg Schweizer durften wir die grossartige Woche revuepassieren lassen. Im Namen der ganzen Tourengruppe bedanken wir uns ebenfalls herzlich und freuen uns jetzt schon auf das nächste Abenteuer.

Patrick Angehrn, SAS Zürich

 

Teilnehmer:

Felix Brunner, Michel Degen, Urs Egli, Caroline Falciola, Véronique Falciola, Jörg Hotz, Patrick Angehrn, Thomas Hug, Markus Jungo, Marcel Müller, Philippe Nicollier, Gabriel Schnetzler, Jürg Schweizer, Bertrand Siffert, Alain Touron, Alexander Walpen, Walter Weder, Caroline Zumsteg Jungo 
Camper Fraktion: Lino Casty, Alain Duss, Julian Häderli, Gianni Hehli, Matteo Piazza, Julian Volken, Sandro Wiggenhauser

Bergführer: 

Ruedi Kellerhals (Kobler und Partner, Organisation und Bergführer), Dres Schild (Bergführer), Adi Büschlen (Aspirant)

Route:

Tag 1, 31.03.2022, Varden, 1500hm, 6h
Tag 2, 01.04.2022, Store Kvittind, 900hm, 3.5h
Tag 3, 02.04.2022, Torksmannen, 1000hm, 4h
Tag 4, 03.04.2022, Tonsheia, 1000hm, 4h
Tag 5: 04.04.2022, Spanstinden, 1200hm, 4.5h
Tag 6: 05.04.2022, Rundkollen-Skavneskollen, 1500hm, 5.5h
Tag 7: 06.04.2022, Hornaksla, 900hm, 3h