50 Jahre Jubiläumstour auf das Finsteraarhorn (4274m)

Am Samstagmorgen, 8. Mai 2021, trafen sich Véronique Falciola (SAS Genève), Joel Kamm, Samuel Meyer (SAS Basel) sowie Marcel Ott, Patrick Angehrn, Hannes Albers und Manuel Trachsler (SAS Zürich) beim Bahnhof Interlaken Ost, um gemeinsam das Finsteraarhorn zu besteigen. Diese Gruppe junger SAS-Alpinisten wurde durch die Bergführer Toni Dinkel, Jonas Schild und Yannick Glatthard geführt und begleitet. Die dreitägige Tour begann mit der Abfahrt vom Jungfraujoch hinab auf den Concordiaplatz. Die geplante Besteigung des Trugberges (3880m) entfiel aus zeitlichen Gründen, womit der einzige Aufstieg des Tages zur Grünhornlücke (3279m) hinaufführte. Das unglaubliche Panorama und die warme Maisonne gestalteten die 550 Höhenmeter extrem kurzweilig, sodass nach der Abfahrt zum Finsteraargletschers und dessen Über­querung die Finsteraarhütte (3050m) schon um 15 Uhr erreicht wurde. 

 

Am folgenden Morgen um 6 Uhr nahm die Gruppe bei schönem Wetter den Aufstieg zum Finsteraarhorn in Angriff. Nach einer kurzen Traverse in Richtung Südosten wurde zügig Höhe gewonnen, sodass gegen halb acht auf dem “Frühstücksplatz” auf 3616m Höhe das zweite Frühstück des Tages anstand. Da die Sonne den langen Südwesthang noch nicht erreicht hatte und es praktisch windstill war, ging es selben Rhythmus und angenehmen Bedingungen in Richtung Hugisattel. Etwa 50 Höhenmeter vor dem Hugisattel und nach dem Überqueren der 4000er Höhenlinie öffnete sich das Panorama und erlaubte eine beein­druckende Sicht auf die westlichen Alpengipfel, die sich zuvor noch hinter Grünhorn, Wannenhörnern, Fiescherhorn und Aletschhorn versteckt hatten. 

 

Am Hugisattel angekommen konnten nun auch Blicke in die anderen Himmelsrichtungen erhascht werden, sei es gegen Norden in das schier endlose Flachland 3500 Meter weiter unten, oder gegen Osten in die Bündner Alpen bis hin zu ihrem “Patron”, der Ortlergruppe. 


Mit montierten Steigeisen und am kurzen Seil in 2er- oder 3er-Seilschaften ging es nun an die letzten 250 Höhenmeter bis zum Gipfel. Die Kletterei war technisch nicht besonders anspruchsvoll, doch begleitet vom endlosen Nichts jenseits der steilen Ostwand, und daher ziemlich beindruckend. Der Gipfel des Finsteraarhornes auf 4274m wurde von allen Alpinisten um halb 11 Uhr erreicht.

 

Nach einem kurzen Gipfel-Snack in erstaunlicher Windstille ging es hinab zum Skidepot auf dem Hugisattel, während sich weit im Süden Föhnwolken zeigten. Auf dem Hugisattel angekommen wurden Felle und Steigeisen in den Rucksack gepackt und die Abfahrt in Angriff genommen. Die tausend Höhenmeter Abfahrt in unterschiedlichen Schnee­verhältnissen waren einerseits ein Genuss, machten sich aber spätestens nach Überquerung des Frühstücksplatzes in den Schenkeln bemerkbar. Kurz nach halb zwei Uhr war die Finsteraarhornhütte erreicht und das Tagewerk beendet.


Für den Montag wurde das Programm auf den Heimweg reduziert, da sich erwähnten Föhnwolken über Nacht hartnäckig in die Gletschertäler gelegt hatten. Um 6 Uhr morgens ging es im dichten Nebel los in Richtung Wasenhorn, angeführt von Jonas Schild am langen Seil, der am anderen Ende des 30m-Seils nur knapp sichtbar blieb. Über den Galmigletscher stiegen wir im (metaphorischen) Blindflug mit GPS in Richtung vorderes Galmihorn (3507m), bis etwa 70 Höhenmeter unter dem Gipfel. Dies erlaubte nun eine sichere Abfahrt durch die Bächlilücke (auf 3376m) hinunter ins Wallis. Der Nebel lichtete sich auf dem Bächligletscher auf etwa 2700m Höhe, und die Sichtweite betrug erstmals an diesem Tag mehr knapp100 Metern. Die Schnee­verhältnisse erlaubten eine Abfahrt bis auf 1800m hinunter, und anschliessend spazierte die Gruppe mit den Skiern auf dem Rucksack zum Bahnhof Reckingen, wo um halb 12 Uhr der Zug in Richtung Brig und Lötschberg erreicht wurde. 


Es sind Touren wie diese, welche einerseits zeigen, wie klein wir im Vergleich zu den felsigen Giganten der Alpen sind, und anderseits, was mit passender Ausrüstung, Motivation und vor allem guter Gesellschaft von den ebenso klein gedachten Alpinisten erreichbar ist. Es war mir eine Freude dabei sein zu dürfen und ich werde das Andenken an diese Tour lange in Erinnerung behalten. Einen besonderen Dank an die Führer, Toni Dinkel, Jonas Schild und Yannick Glatthard, welche grossen Anteil an diesem erfolgreichen und schöne Wochen­ende hatten. Dazu geht der Dank auch an die Alpin-Stiftung für die finanzielle Unterstützung.

 

Manuel Trachsler (SAS Zürich)

 

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