Einem Kreuzbandriss vorbeugen - ISPA-Präventionsprogramm

Skirennfahrerinnen und -rennfahrer verletzen sich häufig. Eine Forschergruppe der Universitätsklinik Balgrist hat die Ursachen von Verletzungen genau untersucht und aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ein effektives Präventionsprogramm abgeleitet. Es reduziert das Risiko einer Verletzung um bis zu 30 Prozent. 


Als ehemaliger Athlet im Ski Alpin hat PD Dr. Jörg Spörri selber erlebt, wie schnell eine Verletzung junge Athletinnen und Athletinnen zurückwerfen kann. Das Verletzungsrisiko von Skirennfahrerinnen und -fahrern ist sehr hoch. Ein breit angelegtes Forschungsprojekt ermöglicht nun eine deutlich bessere Prävention. Im Rahmen des Projekts ISPA haben die Forschenden ein einfaches Trainingsprogramm entwickelt, mit dem junge Skirennfahrerinnen und -fahrer Verletzungen frühzeitig entgegenwirken können – idealerweise schon im U16-Bereich. 

Das Forschungsprojekt «Injury Screening and Prevention – Alpine Skiing» (ISPA) startete vor vier Jahren. Es ist eine Kooperation von Swiss-Ski und der Sportmedizin der Universitätsklinik Balgrist. Jörg Spörri und sein Team haben häufige und für den Skirennsport typische Verletzungen genauestens untersucht, ihre Ursachen, Mechanismen und Muster. Sie haben Tests zur Früherkennung eines erhöhten Risikos für Verletzungen entwickelt und mit dem ISPA-Präventionsprogramm ein Programm etabliert, dessen vorbeugende Wirkung wissenschaftlich erwiesen ist. Jörg Spörri: «Eine klinische Studie mit U16-Nachwuchsskirennfahrerinnen und -fahrern hat gezeigt, dass diejenigen Teilnehmenden, die das Programm über längere Zeit einmal pro Woche durchgeführt haben, ihre Verletzungsrate um mehr als einen Drittel senken konnten.» 

Verletzungen verhindern – Erfolge ermöglichen

Wenn jemand einen Kreuzbandriss erleidet, ist die Gefahr gross, dass das Band ein zweites Mal reisst. Es ist deshalb entscheidend, die Erstverletzung zu verhindern. Die athletischen Grundlagen der Sportlerinnen und Sportler sind dabei der grösste Hebel, bei dem man ansetzen kann. Das ISPA-Präventionsprogramm besteht aus sechs Übungen, die eventuell im «normalen» Training zu kurz kommen, weil sie weniger relevant sind für die Leistung, aber wichtig in Bezug auf mögliche Verletzungen. «Ahtletinnen und Athleten können ihr gesamtes Potenzial nur dann ausschöpfen, wenn sie möglichst verletzungsfrei bleiben», betont Bewegungswissenschaftler Jörg Spörri die Wichtigkeit eines gezielt vorbeugenden Trainings. «Mit der regelmässigen Durchführung des ISPA- Präventionsprogramms ist bereits ein grosser Schritt getan.» Die primäre Zielgruppe sind Nachwuchsskifahrerinnen und -fahrer im U16-Bereich. «Aufgrund der sehr ähnlichen Verletzungsmechanismen und -ursachen bestehen Synergien zum Breitensport», so Jörg Spörri. «Es empfiehlt sich also auch für Freizeitsportlerinnen und -sportler, die sechs Übungen in ihr Training einzubauen.» Nicht jede Verletzung lässt sich verhindern, aber das Risiko für Verletzungen lässt sich senken. Sportlerinnen und Sportler können selber viel beitragen, dass sie verletzungsfrei durchs Jahr kommen. 

ISPA-Präventionsprogramm

PD Dr. Jörg Spörri leitet die Forschungsgruppe Sportmedizin der Universitätsklinik Balgrist. Er forscht im Bereich Prävention und Rehabilitation von Sportverletzungen mit Schwerpunkt Bewegungswissenschaften. Jörg Spörri war von 1999-2002 Mitglied der Juniorennationalmannschaft, sowie des B-Kaders von Swiss-Ski und ist Mitglied des SAS Zürich. Insgesamt hat er als Athlet und Trainer fünfmal an der Winteruniversiade teilgenommen.

Das ISPA-Präventionsprogramm ist auf U16-Athletinnen und -Athleten zugeschnitten. Es fokussiert auf die verletzungsrelevanten athletischen Grundlagen im Nachwuchsbereich. Das Programm ist selbsterklärend und kann als 20-minütiges Heimprogramm durchgeführt werden. Die sechs Übungen trainieren gezielt die Hamstringskraft, die Stabilität der Beinachsen und des Rumpfes. So lassen sich Verletzungen wirksam vorbeugen. Die Balgrist Stiftung, die Stiftung Passion Schneesport und die Dr. Heinz Grütter-Jundt-Stiftung zur Förderung des alpinen Skisportes in der Schweiz haben das Projekt grosszügig unterstützt.

 

 

Foto: © Peter Läuppi, Swiss-Ski

 

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